Die Frau an der Haltestelle

Jeden Morgen sehe ich sie, wenn ich kurz vor 8 Uhr auf Arbeit fahre.
Fahre ich am späten Nachmittag nach Hause sehe ich sie auch.
Sie ist fast immer an einen von drei Plätzen zu finden.
Entweder an der Straßenbahnhaltestelle (steigt aber nie ein), am Park (geht aber selten rein)..oder auf einer Bank am Marktplatz.
Eine Frau um die 50, immer ein Bier dabei, ziemlich ungepflegt und mit leeren Blick.
Zuerst fragte ich mich selbst, was tut diese Frau den ganzen Tag?
Ich meine, ich könnte es ja noch „verstehen“ wenn jemand die ganze Zeit des Tages mit Fernsehen totschlägt.
Aber was macht sie, wenn sie den ganzen Tag rumsitzt und einfach nichts tut außer Alkohol zu trinken.
Sie scheint zwar Kontakt zu anderen zu haben, aber meißtens sehe ich sie doch allein.

Umso länger ich darüber nachdenke umso mehr denke ich über das Leben ein, das scheinbar so aus der Bahn geraten kann das man Monatelang jeden tag aufs neue im freien sitzen kann und einfach nichs macht.
Was hat diese Frau erlebt und was hat ihr Leben so entgleisen lassen, das sie nicht in ihrer Wohnung hockt sondern hier draußen mitten unter uns und dann doch in einer anderen Welt lebt?

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No Responses to “Die Frau an der Haltestelle”

  1. einleben sagt:

    Dein Bericht mach nachdenklich.
    Vielleicht hat sie gar keine Wohnung?
    Du lebst in Berlin, ich in der Provinz im äußersten Westen Deutschlands. Ich weiß, dass es anscheinend in Berlin normal ist, mit einer Flasche Bier rumzulaufen……hier machen das nur die Alkoholiker oder die Jugendlichen am Wochenende in Feierlaune. Mein erster Gedanke war demnach, sie ist obdachlos.

  2. Wildschoen sagt:

    Es kann viele Gründe geben und vielleicht auch gar keine. Manchmal ergibt es sich einfach so, dass ein Mensch keinen wirklichen Weg geht. Macht mich auch nachdenklich.

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